Die Suche nach den Wertstoff-Champions

Der Initiative Frosch-Recycling-Check bewertet, ob Aktivitäten nur gut aussehen, oder ob sie auch wirklich helfen, Plastik im Wertstoffkreislauf zu halten.

Öko-Pionier auf Abwegen Bei Vaude geht das Chemie-Recycling in die Hose

Eigentlich haben wir nur eine Frage: Wieso?

Schon seit Jahren sind wir große Fans der Outdoor-Marke Vaude. Das Unternehmen gilt weit über die eigene Branche hinaus als echter Vorreiter des grünen Wirtschaftswandels. Bereits 2015 wurden die Spezialisten für Funktionskleidung und Bergsport mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis zur „nachhaltigsten Marke“ gekürt. Und das zu Recht. 

Vaude agiert in allen Bereichen so ökologisch, so fair und so sozial, wie man es sich nur wünschen kann.

Entsprechend groß war der Schock für uns, als das Familienunternehmen vor einiger Zeit eine neue Produktlinie in Zusammenarbeit mit dem Chemiekonzern BASF ankündigte. Ab März 2022 werde man eine Hose ins Sortiment aufnehmen, die aus recycelten Autoreifen hergestellt wird, heißt es in einer Pressemitteilung. Was zunächst nach einem wertvollen Beitrag zu nachhaltiger Verwertung klingt, ist in Wahrheit das Gegenteil.

Grüner Anstrich für Chemie-Unsinn
Um Altreifen in Hosen zu verwandeln, kommt das sogenannte „chemische Recycling“ zum Einsatz. Das Verfahren genießt unter Umwelt- und Klimaexpert*innen keinen guten Ruf: Es verschlingt Unmengen Energie, setzt toxische Stoffe frei und ist zu allem Überfluss extrem ineffizient. Bis heute bleiben die Ökobilanzen großer Chemie- und Ölkonzerne den Beweis schuldig, dass Chemie-Recycling ökologisch sinnvoller ist als Müllverbrennung.

Fazit: Das Problem ist nicht das ehrliche Bemühen von Vaude, einen sinnvollen Umgang mit alten Reifen zu finden. Das Problem ist, dass ein verdienter und weithin geschätzter Öko-Pionier seinen guten Namen dafür hergibt, ein mehr als zweifelhaftes Verwertungsverfahren unter Umweltfreunden salonfähig zu machen. Dieser grüne Anstrich könnte schnell dazu führen, dass die chemische Verwertung wesentlich ökologischere Lösungen verdrängt – etwa das mechanische Recycling. Für Umwelt und Klima wäre das fatal. Und Vaude hätte dabei mitgeholfen.

Grundsätzlich machen unsere geschätzten Öko-Mitstreiter*innen von Vaude alles richtig, was man nur richtig machen kann. Doch die Aktion mit dem Chemie-Recycling geht ganz klar in die Hose. Hoffentlich kommen sie bald zur Besinnung und beheben diesen kleinen Makel wieder. Bis dahin verleihen wir Vaude das Sonderprädikat: Champion – mit Schönheitsfehler

Champion – mit Schönheitsfehler

Aufmerksamkeit: hoch

  • Vaude ist eine der renommiertesten Nachhaltigkeitsmarken und Träger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.
  • Dank seines tadellosen Öko-Images fungiert das Unternehmen für Umweltfreunde als Meinungsführer und Vorbild.

Nutzen: normalerweise hoch

  • Vaude tut der Umwelt viel Gutes. Gerade deshalb ist die Chemie-Recycling-Aktion so daneben.
  • Ohne Not macht sich das Unternehmen zum grünen Steigbügelhalter für ein ökologisch problematisches Verwertungsverfahren.