Ist Plastik doch gut? Was Kunststoff der Umwelt bringt

Kaum ein Wertstoff steht so sehr in der Kritik wie Plastik. Doch eine differenzierte Betrachtung zeigt: Kunststoff besitzt viele gute Eigenschaften, die es zur umweltfreundlichen Alternative machen können. Das offenbart sich vor allem bei Flaschen für Wasch- und Reinigungsmittel.

In den Medien kommt Plastik selten gut weg. Das ist kein Wunder, immerhin erreichen uns fast täglich alarmierende Bilder: Gigantische Mengen Verpackungsmüll lagern weltweit auf Deponien, Wale verenden an Plastiktüten, Strände liegen unter Tonnen von Müll begraben.

Pessimisten befürchten, dass sich daran auch künftig nichts ändern wird, denn als Werkstoff ist Plastik aus der modernen Welt nicht wegzudenken. Es ist fast unbegrenzt formbar, bruchfest, leicht und transparent. Je nach Bedarf ist es hart, biegsam oder spröde und zugleich immun gegen Hitze, Licht und Witterung. Das macht Plastik zum optimalen Material für Verpackungen.

Daher steigt die globale Plastikproduktion seit Jahrzehnten kontinuierlich an, von jährlich 1,5 Millionen Tonnen in den 1950ern auf 350 Millionen Tonnen heute. Etwa 36 Prozent davon werden zu Verpackungen, 16 Prozent gehen in den Baubereich, 14 Prozent in die Textilproduktion, sieben bis acht Prozent in die Autoindustrie. Längst bestehen Flugzeuge und Autos mindestens zur Hälfte aus Kunststoff. Kleidung wird heute häufiger aus Nylon und Polyester (beides Kunststoffe) gefertigt als aus Baumwolle oder Wolle.

Während sich Umweltaktivististinnen und -aktivisten bei diesen Zahlen die Haare raufen, versucht die Politik, mit Gesetzen gegenzusteuern. Ab 2021 sind  in der gesamten Europäischen Union Einwegplastikprodukte wie Trinkhalme oder Wattestäbchen verboten. Im gleichen Jahr tritt eine EU-weite Plastiksteuer in Kraft. Mit ihr erhebt jeder EU-Staat eine Abgabe von 80 Cent auf jedes Kilogramm nicht recycelten Kunststoff. Auch eine verbindliche Mindestquote für recycelte Materialien in der Plastikproduktion wird debattiert.

Optimal für Wasch- und Reinigungsmittel

Dass Plastik der Umwelt auch nützen kann, geht in der hitzigen Debatte meist unter. Richtig eingesetzt und optimal recycelt, kann es umweltfreundlicher sein als viele vermeintlich nachhaltige Materialien. Das liegt unter anderem daran, dass die Kunststoffproduktion verhältnismäßig klimafreundlich ist, weil sie relativ wenig Wasser und Energie verbraucht.

Besonders vorteilhaft sind die vielen positiven Eigenschaften von Kunststoff für Transport und Lagerung von Wasch- und Reinigungsmitteln. In der Regel kommen hierfür die Kunststoffe Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) zum Einsatz. Als Flaschen oder Beutel schützen sie den Inhalt vor Umwelteinflüssen wie Hitze, Kälte und UV-Licht, geben aber gleichzeitig selbst keinerlei Stoffe an die enthaltenen Mittel ab.

PE, PP und PET sind extrem widerstandsfähig und formstabil. Das ist wichtig, denn die Behälter von Haushaltschemikalien müssen gewisse Tests für die Bruchsicherheit bestehen. Fällt eine Flasche aus dem Supermarktregal oder von der heimischen Spüle, darf sie nicht in tausend Scherben zerspringen. Kunststoffflaschen sorgen dafür, dass der Schaden minimal bleibt.

Auch für den Klimaschutz gibt es triftige Gründe, Kunststoff gegenüber Glas den Vorzug zu geben. Für Wasch- und Reinigungsmittel laufen jedes Jahr viele Millionen Plastikflaschen vom Band. All diese Flaschen müssen nach der Produktion zu ihrem Verkaufsort gebracht werden. Da Plastik viel leichter ist als Glas, sinkt beim Transport der CO2-Aufwand deutlich. Sogar der Deutsche Naturschutzbund (NABU) ist der Meinung, man solle wegen des hohen Transportgewichts die Plastikflasche der Glasvariante vorziehen.

Perfekte Voraussetzungen für das Recycling

Mit Blick auf die Klimaverträglichkeit macht Plastik auch beim Recycling eine bessere Figur als Glas. Zwar lässt sich Glas gut wiederverwerten, allerdings verbraucht dieser Prozess viel Energie. Um Glas zu schmelzen, muss es auf mehr als 1.000 Grad erhitzt werden. Die Schmelzpunkte von PE, PP und PET liegen hingegen lediglich bei Temperaturen zwischen 130 und 260 Grad.

Die meisten Kunststoffe eignen sich unter den richtigen Voraussetzungen hervorragend als Recyclate, die in einem geschlossenen Wertstoffkreislauf gehalten und fortlaufend wiederverwertet werden können. Ein Vorzeigebeispiel sind PET-Flaschen, die in Deutschland fast zu 100 Prozent gesammelt und beinahe verlustfrei zu neuen Produkten verarbeitet werden.

PE und PP verfügen über ähnlich gute Eigenschaften, sind aber bislang häufig nicht für die Wiederverwertung optimiert, etwa weil sie mit anderen Kunststoffen zu einem Materialverbund verklebt wurden. Diese Verbundmaterialien sind für das Recycling unbrauchbar und enden in der Müllverbrennungsanlage.

Der richtige Ansatz

Das Problem ist also nicht das Plastik, sondern unser Umgang damit. Wenn wir einen geschlossenen Wertstoffkreislauf schaffen, in dem altes Plastik wieder und wieder zur Grundlage neuer Produkte wird, kann Kunststoff eine umweltfreundliche Alternative zu anderen Materialien sein. Der geschlossene Wertstoffkreislauf ist die Triebfeder hinter den Verpackungsinnovationen von Werner & Mertz.

Schon seit einigen Jahren stellt das Mainzer Unternehmen die transparenten Reinigerflaschen der Marke Frosch zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik her, davon stammen ganze 20 Prozent aus dem Gelben Sack. Die Flaschen der emsal Bodenpflege, der Green Care Professional Reiniger und die Duschgelflaschen von Frosch werden sogar komplett mit recyceltem HDPE-Abfall aus dem Gelben Sack hergestellt. 

Was können wir gemeinsam tun?

Den Kreislauf fördern: Plastik ist ein wertvolles Material mit vielen nützlichen Eigenschaften, durch die wir die Umwelt sinnvoll entlasten können. Damit Kunststoff seine positiven Effekte jedoch voll entfalten kann, muss es recyclingfreundlich designt sein. Nur wenn wir Plastik immer wieder verwenden, können wir die Umwelt vom Plastikmüll befreien. Wer also im Supermarkt einkauft, sollte zur Plastikverpackung aus 100 Prozent Altplastik greifen, die noch dazu recycelbar ist. Denn am Ende des Tages bestimmen wir alle mit unserem Geldbeutel, was in die Regale der Händler kommt – und was nicht.