Studiensammlung Übersicht Umweltstudien: Recycling, Bioplastik und Kreislaufwirtschaft in der Wissenschaft

Nach rund 30 Jahren wird das Recycling von Plastikverpackungen hitziger diskutiert denn je. Bei der Initiative Frosch legen wir großen Wert darauf, unsere Aussagen und Meinungen mit wissenschaftlichen Fakten zu untermauern. Hier haben wir einige der interessantesten Studien und Fachbeiträge der letzten Jahre zusammengestellt.

Umweltstudien Recycling

Ist der Einsatz von Altplastik aus dem Gelben Sack für die Herstellung von Kosmetikverpackungen sicher? Wenn ja, welche Rezyklate eignen sich dafür? Welche Prüfungen werden benötigt? Auf diese und weitere Fragen gibt das gerade veröffentlichte Dokument „How to evaluate post-consumer polyolefin recyclates in cosmetic packaging?“ erstmals wissenschaftlich fundierte Antworten. Der Leitfaden ist ein erster Industriestandard für den Einsatz von mechanisch recyceltem Altplastik für Kosmetikverpackungen, der Antworten auf die wichtigsten Fragestellungen liefert und nationalen wie internationalen Recyclingunternehmen und Herstellern zukünftig gleichermaßen weiterhilft.

Studie: How to Evaluate Post-consumer Polyolefin Recyclates in Cosmetic Packaging?

Im Plastikatlas 2019 setzen sich die Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisch mit dem Thema Kunststoff auseinander. Die Autoren beleuchten die Machenschaften der internationalen Plastikindustrie und schildern, wie sich Herstellung und Gebrauch von Kunststoff auf Umwelt, Klima und Gesundheit auswirken. Zudem nehmen sie die Wirksamkeit unseres Recyclingsystems unter die Lupe und entzaubern vermeintliche Wunderlösungen wie Bioplastik.

Report: Plastikatlas 2019 – Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff

In einer Studie aus dem Jahr 2016 hat das Öko-Institut festgestellt, dass Recycling einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Allein das Sammeln und Wiederverwerten von Kunststoffen, Metallen und anderem Leichtverpackungsmaterial über den Gelben Sack erspart der Umwelt jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen CO2. Glas- und Papierrecycling bringen zusätzliche Einsparungen von knapp 1,15 Millionen Tonnen pro Jahr. Zusammen ergibt das 3,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die in Deutschland allein durch Recycling Jahr für Jahr vermieden werden.

Studie: Recycling ist Zukunft – ökologische Leistungen und Potenziale des dualen Systems

In einem Bericht aus dem Jahr 2020 setzen sich die Europäischen Akademien der Wissenschaften (EASAC) mit Kunststoffverpackungen auseinander und betonen die immense Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für deren sinnvolle Verwertung. Die Forscherinnen und Forscher fordern handfeste Reformen für den Umgang mit Plastikmüll, darunter konsequentes Design for Recycling, Steuern auf Neuplastik und Mindestquoten für Altplastik in Verpackungen.

Report: Packaging plastics in the circular economy (2020)

In einem Gutachten aus dem Jahr 2019 bewertet das Öko-Institut die Klimafreundlichkeit verschiedener Recyclingverfahren am Beispiel einer 0,5-Liter-Flasche. Ergebnis: Selbst wenn man den gesamten Energieaufwand aller Recyclingprozesse einbezieht, ist Wiederverwertung stets deutlich klimaschonender als die Neuproduktion desselben Materials. Eine recycelte PET-Flasche, die 20 Prozent aufwändig sortiertes Recyclingmaterial aus dem Gelben Sack enthält, ist dabei ebenso klimaschonend wie eine Flasche aus der sortenreinen Einweg-Pfandsammlung.

Studie: Vergleich und Gegenüberstellung verschiedener Recyclingverfahren bezüglich ihrer Aufwendungen und ihrem Nutzen

Durch eine Stichproben-Analyse von 2800 Hausmülltonnen kommt das Umweltbundesamt im Jahr 2020 zu dem Schluss, dass dem Recycling durch falsche Mülltrennung noch immer großen Mengen wertvolles Material verloren gehen. Weil sie nicht im Gelben Sack, sondern in der Restmülltonne entsorgt werden, landen in Deutschland jedes Jahr rund 700.000 Tonnen Verpackungsplastik in der Müllverbrennung.

Studie: Vergleichende Analyse von Siedlungsrestabfällen aus repräsentativen Regionen in Deutschland zur Bestimmung des Anteils an Problemstoffen und verwertbaren Materialien

2019 untersuchte das Öko-Institut im Auftrag des Deutschen Naturschutzbundes (NABU), wieviel Recyclingmaterial durch Müllverbrennung verloren geht. Ergebnis: Viel zu viel. Allein simple Maßnahmen wie die Einhaltung gültiger Abfallgesetze könnten demnach die verbrannte Müllmenge um gut 20 Prozent senken und rund 250.000 Tonnen Verpackungsmüll für das Recycling retten. Zusätzliche Maßnahmen könnten sogar bis zu 1,5 Millionen Tonnen Recyclingmaterial vor der Müllverbrennungsanlage bewahren.

Studie: Kapazitäten der energetischen Verwertung von Abfällen in Deutschland und ihre zukünftige Entwicklung in einer Kreislaufwirtschaft

Umweltstudien Plastikmüll im Meer

Jedes Jahr landen elf Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer. Ändern wir nichts an unserem Verhalten, könnten es bis 2040 bereits 29 Millionen sein. Zu diesem Schluss kommt die Untersuchung „Die Plastikwelle stoppen“, die der britische Umwelt-Thinktank Systemiq 2020 gemeinsam mit der Ellen-MacArthur-Foundation und weiteren Partnern veröffentlicht hat. Verhindern ließe sich das laut Studie mit konsequenter Kreislaufwirtschaft und effektivem Recycling: Notwendig seien unter anderem innovative Recyclingtechnologien, recyclingfreundlichere Verpackungen und bessere Müllsammelsysteme.

Studie: Die Plastikwelle stoppen – Eine umfassende Bewertung der Lösungsansätze zur Eindämmung der Plastikverschmutzung der Meere (Kurzfassung)

Plastikmüll aus dem Meer zu fischen und anschließend zu recyceln, ist zwar spektakulär und werbewirksam, aber in Wahrheit sinnlos. Festgestellt hat das eine wissenschaftliche Studie, die das Bremer Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) im Jahr 2020 veröffentlicht hat. Projekte wie „The Ocean Cleanup“ des Niederländers Boyan Slat können demnach nur etwas mehr als 5 Prozent des Plastiks aus dem Meer holen – und dabei schaden die Fangnetze und Maschinen noch den marinen Ökosystemen. Stattdessen empfehlen die Forscherinnen und Forscher, Plastik zu reduzieren, die Produzenten stärker in die Pflicht zu nehmen und Recycling zu fördern.

Studie: The long-term legacy of plastic mass production

Umweltstudien Bioplastik

Hersteller von Bioplastik behaupten, dass sich ihre Produkte in der Natur abbauen und deshalb keine Umweltschäden verursachen. Ob das wirklich so ist, hat 2019 eine Studie der britischen University of Plymouth untersucht. Die Wissenschaftler Imogen Napper und Richard Thompson setzten kompostierbare Plastikbeutel verschiedenen Umwelteinflüssen aus. Nach drei Jahren waren die Tüten nicht nur nicht zerfallen, sie waren sogar immer noch stabil genug, um ein Füllgewicht von zwei Kilo zu tragen.

Studie: Environmental Deterioration of Biodegradable, Oxo-biodegradable, Compostable, and Conventional Plastic Carrier Bags in the Sea, Soil, and Open-Air Over a 3-Year Period

Im Jahr 2018 ließ das Umweltbundesamt in einem Gutachten unterschiedliche Forschungsarbeiten auswerten, die sich mit der Abbaubarkeit von Biokunststoffen auseinandersetzen. Fazit: Selbst Materialien, die speziell für die Zersetzung entwickelt wurden, können Monate bis Jahre in der Umwelt verbleiben. Ob sie sich im Erdboden, in Salzwasser oder in Süßwasser befinden, spielt dafür kaum eine Rolle.

Studie: Gutachten zur Behandlung biologisch abbaubarer Kunststoffe

In einer Untersuchung aus dem Jahr 2018 befassen sich Forscherinnen und Forscher vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn mit den Umweltauswirkungen der Bioplastikproduktion. Dafür spielen sie mehrere Szenarien durch und kommen zu dem Schluss, dass sich die vermehrte Herstellung von Biokunststoffen negativ auf das Klima auswirken könnte.

Studie: Land use mediated GHG emissions and spillovers from increased consumption of bioplastics

In einer gemeinsamen Forschungsarbeit aus dem Jahr 2020 beschäftige sich das Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegen und die Goethe-Universität Frankfurt mit der chemischen Zusammensetzung von Bioplastik. Die Untersuchung analysiert 43 Alltagsgegenstände aus Bioplastik, darunter Einweggeschirr, Trinkflaschen und Schokoladenpapier. Mit alarmierendem Ergebnis: Drei Viertel aller untersuchten Produkte enthielten mindestens eine schädliche Chemikalie.

Studie: Are bioplastics and plant-based materials safer than conventional plastics? In vitro toxicity and chemical composition

Umweltstudien Chemisches Recycling

Chemiekonzerne und Plastikhersteller behaupten gerne, die Zukunft des Recyclings liege in der chemischen Verwertung. Das Umweltbundesamt (UBA) ist da ganz anderer Ansicht. In einem 2020 veröffentlichten Hintergrundpapier spricht Deutschlands oberste Umweltbehörde dem chemischen Recycling jeglichen Nutzen ab: Die eingesetzten Technologien seien nicht ausgereift, der ökologische Nutzen wegen des hohen Energieverbrauchs und der entstehenden Schadstoffe mehr als zweifelhaft. Das ganze Verfahren ist so fragwürdig, dass das UBA es nicht als richtiges Recycling anerkennt.

Report: Hintergrund: Chemisches Recycling