Mikroplastik: Klein, aber oh, oh!

Mikroplastik ist überall, in den tiefsten Tiefen des Ozeans ebenso wie im menschlichen Verdauungssystem. Doch was bedeutet das für Mensch und Umwelt? Und was können wir gegen den Mikromüll im Meer unternehmen?

Mikroplastik

Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Im Oktober 2018 hatten österreichische Wissenschaftler erstmals Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben entdeckt. Schock und öffentliches Entsetzen waren groß, noch größer aber waren die naheliegenden Fragen: Wie gefährlich sind die winzigen Teilchen für Mensch und Umwelt? Und wieso sind sie plötzlich überall, in Seen, Flüssen, Böden, Tieren und Menschen?

Mikroplastik hat eine steile Medienkarriere hingelegt. Noch 2015 war der Begriff nur engagierten Umweltaktivisten geläufig, heute kennt ihn fast jeder. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung bewertete rund die Hälfte aller Deutschen Mikroplastik im Jahr 2018 als eines der beunruhigendsten Gesundheits- und Verbraucherthemen.

Dabei ist das Phänomen keineswegs neu. In welch alarmierendem Ausmaß Mikroplastik die Weltmeere verseucht, wusste man bereits 2004, als der Ozeanograph Richard Thompson den neuen Begriff prägte.

Was ist Mikroplastik

Unter Mikroplastik versteht man Kunststoffteilchen, die fünf Millimeter oder kleiner sind. Sogenanntes primäres Mikroplastik entsteht als Abfallprodukt von Industriegütern. Zahnpasta, Duschgel, Lippenstift, Peelingcremes und andere Produkte enthalten winzige Plastikkügelchen zur Verbesserung der Produkteigenschaften.

Reinigungsmittel nutzten beispielsweise oft Plastikpartikel, um den mechanischen Säuberungseffekt zu unterstützen.Aber auch aus rein ästhetischen Gründen wird Mikroplastik als sogenanntes Trübungsmittel in Rezepturen von Kosmetik oder Reinigungsmitteln eingesetzt.

Primäres Mikroplastik entsteht aber auch, wenn sich beim Waschen von Synthetik-Kleidung Partikel und Fasern von den Textilien lösen oder Reifenabrieb mit dem Regenwasser in die Flüsse gespült wird. Allein in Deutschland summiert sich das zu 330.000 Tonnen pro Jahr.

 Zerreiben Wind und Wellen den Plastikmüll im Meer zu immer kleineren Teilen, spricht man hingegen von sekundärem Mikroplastik. Wegen der langen Lebensdauer der meisten Kunststoffe treiben die Teilchen Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte im Ozean.

Was bedeutet das für die Umwelt?

Es gibt kaum noch Orte, die frei von Mikroplastik sind. Die höchsten Konzentrationen haben Forscher am Nordpol gefunden. In einem einzigen Liter Eis wiesen sie im Schnitt 12.000 Partikel nach. Auch am Grund des Marianengrabens, der tiefsten Stelle der Weltmeere, treiben die Partikel im Wasser. Jedes Jahr wandern gut 12 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer, etwa ein Viertel davon als Mikroplastik.

Selbst im Erdreich von Naturschutzgebieten wurden Wissenschaftler der Universität Bern fündig. Neun von zehn ihrer Bodenproben enthielten Mikroplastik. Da die Partikel in sämtliche Ökosysteme eindringen, nehmen die unterschiedlichsten Tiere sie mit der Nahrung auf. Man findet Mikroplastik in Muscheln, Walen, Schildkröten und Seehunden, aber auch in Fischen, Vögeln, Schweinen und Rindern.

Was das für die Umwelt heißt, ist noch unklar. Klar ist nur, dass die Plastikteilchen Giftmagnete sind. An ihrer Oberfläche lagert sich beispielsweise das Insektizid DDT ab. An Mikroplastik stellten Hamburger Forscher eine viermal höhere Giftkonzentration fest als im umliegenden Meeresboden. Besonders viele Schadstoffe bindet Polyethylen (PE), der geläufigste Kunststoff der Welt.

Dennoch geht das Bundesamt für Risikobewertung aktuell davon aus, dass Mikroplastik die Gesundheit nicht gefährdet. Nach bisherigem Kenntnisstand scheidet der menschliche Körper die Teilchen einfach wieder aus. Gesundheitliche Folgen sind bisher nicht bekannt.

Was können wir gemeinsam tun?

Mikroplastik ist ein Problem, dass jeden betrifft und nur gemeinsam gelöst werden kann. Der erste Schritt ist, die Entstehung von neuem Mikroplastik zu verhindern. Durch nachhaltiges Handeln tragen Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen dazu bei, diesem ambitionierten Ziel Tag für Tag einen Schritt näher zu kommen.

Wie genau lässt sich die Lage verbessern?

Vermeiden: Ein Teil des Mikroplastiks gelangt ins Wasser, weil es in Gebrauchsgütern wie Duschcremes oder Reinigern enthalten ist. In den USA, Kanada, Großbritannien, Schweden und Neuseeland ist es mittlerweile verboten, Produkte mit kleinen Plastikkügelchen anzureichern. Andere Länder denken ebenfalls über Verbote nach. Gleichzeitig verzichten manche Unternehmen sogar freiwillig darauf. Beispielsweise stellt unser Gründungsunternehmen Werner & Mertz seit Jahren all seine Produkte der Marke Frosch ohne Mikroplastik her. Stattdessen hat das Unternehmen Lösungen entwickelt, mit denen die Rezepturen auch ohne Plastikpartikel ihre volle Reinigungs- und Pflegewirkung erzielen.

Verhindern: Mikroplastik entsteht, wenn Plastikmüll im Meer zu immer kleineren Teilchen zerfällt. Dieses Problem lässt sich durch eine gut funktionierende Recyclingwirtschaft bekämpfen. Vor allem Verpackungen müssen nachhaltig gestaltet und in einem geschlossenen Wertstoffkreislauf gehalten werden. Nur so ist gewährleistet, dass der Plastikmüll aus dem Gelben Sack wieder und wieder verwendet wird und aus einer alten Verpackung immer wieder eine neue werden kann. Wenn wir Plastik als wertvollen Rohstoff behandeln, landet es auch nicht als Müll im Meer.

Mit der Recyclat-Initiative verfolgen Werner & Mertz und seine Partner diesen Ansatz bereits seit 2012 sehr erfolgreich. Dank neu entwickelter Verfahren bestehen die PET-Reinigerflaschen der Marke Frosch heute zu 100 Prozent aus Altplastik, wobei ganze 20 Prozent mit Recyclat aus dem Gelben Sack hergestellt werden. Die HDPE-Verpackungen der Marke emsal und green care Professional sowie die Duschgelflaschen von Frosch Senses bestehen sogar zu 100 Prozent aus Altplastik – gewonnen aus dem Gelben Sack.

Verzichten: Endverbraucher können einen Beitrag leisten, indem sie gezielt plastikfreier einkaufen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Menge des jährlichen Plastikmülls in Deutschland mehr als verdoppelt. Dieser rapide Anstieg ist fast ausschließlich auf die massive Zunahme der sogenannten Post-Consumer-Abfälle zurückzuführen, die zu einem Großteil aus Verpackungen bestehen. Der Effekt ist klar: Wo viel Plastikmüll entsteht, entsteht auch viel Mikroplastik. Darüber hinaus können Konsumenten gezielt auf Produkte verzichten, die Mikroplastik enthalten.

Häufig kommt Mikroplastik in Kosmetika zum Einsatz, beispielsweise für Glitzereffekte. Laut Umweltbundesamt setzten Kosmetikhersteller in Deutschland im Jahr 2015 ihren Produkten circa 500 Tonnen Mikroplastik zu. Für bewusste Verbraucher gibt der BUND deshalb einen regelmäßig aktualisierten Einkaufsführer heraus. In ihm sind alle Kosmetikprodukte gelistet, die Mikroplastik oder andere Formen von Plastik enthalten.