Mülltrennung Warum reisst der Gelbe Sack so leicht?

Die Handhabung der Gelben Säcke ist für Verbraucherinnen und Verbrauchern ein echtes Ärgernis. Weil sie aus sehr dünner Folie bestehen, platzen und reißen die transparenten Plastiktüten bei jeder Gelegenheit. Dass der Gelbe Sack so wenig aushält, ist allerdings gewollt.

Zu allem Überfluss passiert es gerne in extrem ungünstigen Momenten: Eilenden Schrittes will man auf dem Weg zur Arbeit noch schnell den Verpackungsmüll vor die Tür bringen, da reißt einer der Gelben Säcke und verteilt seinen kompletten Inhalt auf dem Bürgersteig. Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist diese Szene nur allzu vertraut. Entsprechend weit verbreitet ist der Unmut über die scheinbar viel zu dünne Folie, aus der die Gelben Säcke hergestellt werden. Doch was auf den ersten Blick nach mangelhafter Qualität aussieht, ist in Wahrheit Absicht.

Fehlwürfen vorbeugen

Wie dick und reißfest die Gelben Säcke zu sein haben, legen die Entsorgungsunternehmen fest, die für die Verwertung des Inhalts zuständig sind. Aktuell haben Standardsäcke eine Stärke von 15 Mikrometern. Derart dünne Folie zu nutzen, soll Zweckentfremdung und Missbrauch vorbeugen. Aus diesem Grund sind die halbtransparenten Plastiktüten gerade stabil genug, dass sie sich ausschließlich mit Verpackungsmüll befüllen lassen.

Auf diese Weise wollen die Recyclingfirmen verhindern, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher Müll wie Elektrogeräte, Glas oder Altkleider im Gelben Sack entsorgen. Diese sogenannten Fehlwürfe stören das Recycling des Verpackungsmülls beträchtlich, da sie aufwendig aussortiert und separat entsorgt werden müssen

Vieles wird falsch entsorgt

Dass vollkommen falsche Dinge im Gelben Sack enden, passiert öfter als man denkt. Immer wieder berichten die Recyclingfirmen, dass regelmäßig Windeln, Spielzeug, Fahrradreifen, Blumentöpfe, Motorteile und sogar tote Haustiere auf den Förderbändern ihrer Sortieranlagen landen und die Gruppierung der Wertstoffe massiv behindern. Laut dem Bundesverband für Sekundärrohstoffe (BVSE) lag die Fehlwurfquote beim Verpackungsmüll 2017 zwischen 40 und 60 Prozent. Zum Vergleich: Beim Altpapier machen Fehlwürfe nur überschaubare zwei Prozent aus.

Die Branche unterscheidet zwischen zwei Arten von falsch entsorgtem Verpackungsmüll. Wird beispielsweise eine Konservendose nicht entleert, sondern samt Inhalt in den Gelben Sack geworfen, ist von einem regulären Fehlwurf die Rede. Von einem intelligenten Fehlwurf spricht man, wenn Gegenstände in den Gelben Sack gestopft werden, die aus dem gleichen Material wie die Verpackungen bestehen, etwa kaputtes Plastikspielzeug oder Kleiderbügel aus Metall. In beiden Fällen wird der Gelbe Sack sehr schnell so schwer, dass er schließlich reißt.

Gut für Umwelt und Geldbeutel

Ein weiterer Grund für die spezielle Beschaffenheit des Gelben Sackes sind gezielte Materialeinsparungen. Das soll einerseits die Umwelt schonen, andererseits die Geldbeutel der Verbraucherinnen und Verbraucher. „Wären die Säcke dicker, dann würde auch mehr Plastik zur Herstellung gebraucht werden. Ein klarer Widerspruch zum Umweltgedanken dahinter. Ganz abgesehen davon, dass die Produktion sich auch verteuern würde. Klar, die Säcke bekommt man zwar kostenlos, aber irgendwann kommen steigende Produktions- und Entsorgungskosten auch beim Endverbraucher an, und das muss ja nicht sein“, erklärt der Grüne Punkt in seinem Verbraucherblog.

Was können wir tun?

Der Grüne Punkt rät dazu, die Säcke nicht ganz vollzumachen, damit sie nicht schon beim Zubinden kaputt gehen.

Da sie die Wand des Sackes aufreißen können, kann es hilfreich sein, die scharfkantigen Deckel von Konservendosen vor der Entsorgung nach innen zu biegen.