Die Suche nach den Wertstoff-Champions

Der Initiative Frosch-Recycling-Check bewertet, ob Aktivitäten nur gut aussehen, oder ob sie auch wirklich helfen, Plastik im Wertstoffkreislauf zu halten.

Recycling-Rückschritt Beim Recycling geht Innocent der Saft aus

Der britische Smoothie-Hersteller Innocent meint es gut mit der Welt. Seit der Gründung 1998 setzt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit. So fließen beispielsweise jedes Jahr zehn Prozent des Gewinns in die eigene Stiftung gegen Hunger in der Welt.

Auch für Umweltschutz setzt sich Innocent ein: 2020 etwa spendete es für die Rettung der Schmetterlinge im Schweizer Kanton Tessin. Für den Klimaschutz soll außerdem 2022 in Rotterdam die „nachhaltigste Abfüllanlage der Welt“ gebaut werden.

Recycling … erst mehr, jetzt weniger
Bei soviel Engagement für Nachhaltigkeit ist natürlich auch Recycling ein Thema: Schon früh setzt das Unternehmen auf recycelte Plastikflaschen und Kreislaufwirtschaft. 

Der Anfang sah zunächst auch vielversprechend aus: 2003 ist Innocent unter den ersten Unternehmen, die recyceltes PET für Produktflaschen einsetzen. 2006 steigt der Anteil an wiederverwertetem Plastik auf 50 Prozent pro Flasche, 2007 schließlich sogar auf 100 Prozent. 

Doch die vollständig recycelte Flasche verschwindet schnell wieder von der Bildfläche. Der Grund: Optik. 100 Prozent Recyclat seien leider nicht möglich, „da unsere Flaschen eine seltsame Farbe bekommen“, heißt es auf der deutschen Webseite. 

Mit ähnlicher Begründung geht es in den kommenden Jahren weiter bergab. Etwa 2011: „Wir müssen den Recycling-Anteil wieder auf 35 % reduzieren, weil unsere Flaschen leider nicht so gut aussehen, wie wir das gerne hätten.“

Zurück zu 50 Prozent. Wirklich?
Mittlerweile ist es Innocent gelungen, den Recyclinganteil wieder zu erhöhen. Im Netz berichtet das Unternehmen derzeit von seiner „bisher nachhaltigsten Flasche“. Sie besteht zu 50 Prozent aus PET-Recyclat, gemixt mit 15 Prozent biobasiertem Plastik.

Aber auch das ist mehr Schein als Sein. Denn etwas versteckter findet man die Info, alle Innocent-Flaschen bestünden “zu mindestens 30 % aus recyceltem Plastik“. Selbst die wiedergewonnenen 50 Prozent gelten also längst nicht für alle Flaschen.

Fazit: Nach engagiertem Start knickt Innocent ein und ordnet den Umweltschutz dem Produktdesign unter. Dass andere Unternehmen bereits seit vielen Jahren optisch einwandfreie Flaschen aus 100 Prozent Altplastik herstellen können, ist den Smoothie-Machern dabei wohl entgangen. Sich das grüne Image stattdessen mit ökologisch zweifelhaftem Bioplastik zurückholen zu wollen, hinterlässt einen so bitteren Nachgeschmack, dass selbst der gesündeste Spinat-Smoothie dagegen alt aussieht. Unser Urteil: Innocent ist ein Recycling-Sitzenbleiber!

Sitzenbleiber

Aufmerksamkeit: Gering

  • Innocent klopft sich bei Nachhaltigkeit gerne selbst auf die Schulter. Wer allerdings die harten Fakten will, muss schon sehr gründlich suchen.

Nutzen: Keiner

  • In unseren Recycling-Checks verteilen wir gerne Lorbeeren an alle, die das mechanische Recycling mit Innovationsgeist voranbringen. Innocent macht das Gegenteil und führt so den eigenen Anspruch an den Umweltschutz ad absurdum.
  • Statt weiter in effizientes mechanisches Recycling zu investieren, sucht Innocent das Öko-Heil in biobasiertem Kunststoff, dessen Herstellung für die Umwelt extrem problematisch ist. Bis 2025 sollen sogar alle Flaschen zur Hälfte mit Bioplastik aus Zuckerrohr hergestellt werden. Es geht also mit Volldampf in die falsche Richtung.