Chemisches Recycling Das Pyrolyse-Problem

Der beste Umgang mit gebrauchtem Plastik ist ein effizientes Recycling. Doch nicht alle Arten von Recycling sind gleichermaßen sinnvoll. Einige Unternehmen experimentieren mit Pyrolyse, die Kunststoff in Öl zurückverwandeln soll. Sind sie einer Alternative für die klassische mechanische Wiederverwertung auf der Spur?

Neun Milliarden Tonnen Plastik hat die Menschheit bislang produziert. Von diesen neun Milliarden sind allerdings nur noch zwei in Gebrauch. Der Rest ist zu Abfall geworden. Ein kleiner Teil wurde verbrannt, das meiste lagert weltweit auf Müllkippen und bedroht die Umwelt in nie gekanntem Ausmaß.

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht: Derzeit geht die UNO davon aus, dass der deponierte Müll bis 2050 auf zwölf Milliarden Tonnen wächst.

Bislang ergreifen rund 60 Länder Gegenmaßnahmen:
Sie verbieten Wegwerfartikel, verbannen Kunststofftaschen und begrenzen die Deponierung von Plastikabfall. Reichen wird das alles wahrscheinlich nicht. Daher suchen Wirtschaft und Wissenschaft ständig neue Wege, mit dem Plastikmüll fertig zu werden.

Ein aktueller Trend ist das chemische Recycling, bei dem gebrauchtes Plastik in seine petrochemischen Grundstoffe zerlegt werden soll.

Kann Plastik wieder Öl werden?

Als Verfahren für die Rückumwandlung von Plastik wird die sogenannte Pyrolyse angepriesen. In seinem Stammwerk in Ludwigshafen hat der Chemieriese BASF zu diesem Zweck das Projekt „ChemCycling“ ins Leben gerufen. Auch Coca Cola testet die Pyrolyse, die unter höchstem Energieeinsatz Plastikmüll wieder in Öl verwandeln soll. Bislang funktioniert das allerdings nur in der Theorie. Denn das chemische Recycling hat zwei große Probleme:

1. Chemcycling verbraucht zu viel Energie
Das deutsche Umweltministerium wertet chemische Verfahren zur Rückgewinnung von Plastikrohstoffen nicht als Recycling. Da der Kunststoff nicht erhalten, sondern in seine chemischen Bestandteile zerlegt und neu verarbeitet werde, könne von Recycling im klassischen Sinn nicht die Rede sein. „Bei einer werkstofflichen Verwertung wird ein Kunststoff als Werkstoff wieder in der Produktion eingesetzt. Bei einer chemischen oder rohstofflichen Verwertung ist dies nicht der Fall“, so das Ministerium.

Die ablehnende Haltung des Umweltministeriums ist begründet, denn die Ökobilanz des Chemcyclings macht vielen Experten Sorgen. Weil sehr große Mengen Energie aufgewendet und giftige Chemikalien eingesetzt werden, bezweifeln sie den tatsächlichen Umweltnutzen des Chemcyclings. “Es sind noch grundlegende Fragen zu klären hinsichtlich Schadstoffverbleib und Verwertung der Reste des chemischen Recyclings. Auch energiebilanziell ist es fraglich“, sagt beispielsweise Christina Dornack, Professorin für Abfall- und Kreislaufwirtschaft an der TU Dresden, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

2. Chemcycling scheitert bei entscheidenden Plastiksorten
Befürworter argumentieren, chemisches Recycling sei die perfekte Lösung für stark verschmutzen Plastikmüll, der sich anders nicht verwerten lässt. Klingt gut, hat aber einen großen Haken: Bei der Kunststoffgruppe der Polyolefine funktioniert die Rückgewinnung der Ausgangsstoffe nur mangelhaft. Zu den Polyolefinen zählen die Plastiksorten Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP), aus denen der allergrößte Teil aller Kunststoffprodukte hergestellt wird. PE und PP kommen bevorzugt für Verpackungen zum Einsatz, die wiederum den mit Abstand größten Teil des anfallenden Plastikmülls ausmachen. Eine effiziente Lösung für Milliarden Tonnen deponierte Verpackungen bietet die Pyrolyse also nicht.

Mechanisches Recycling vs. Chemcycling

Die meisten Experten sind sich einig, dass klassisches mechanisches Recycling, bei dem sortenrein sortierte Kunststoffe geschreddert, eingeschmolzen und ohne chemische Umwandlung zu neuen Produkten verarbeitet werden, der chemischen Verwertung überlegen ist.

„Die werkstoffliche Verwertung ist grundsätzlich ökologisch und ökonomisch vorteilhafter, da die hierzu notwendigen Prozesse weniger aufwendig sind als die Herstellung von Kunststoffen aus Rohstoffen beim chemischen Recycling“, erklärt etwa das Bundesumweltamt.
Auch das Bundesumweltministerium favorisiert das klimaverträglichere mechanische Recycling und fördert diese Art der Wiederverwertung ganz gezielt durch das Verpackungsgesetz von 2019. So belohnt das Gesetz recyclingfreundliches Verpackungsdesign und schließt das chemische Recycling kategorisch für die Erfüllung der Recyclingquoten aus.

Dieser Ansatz findet den Beifall der Deutschen Umwelthilfe (DHU), die dem mechanischen Recycling ebenfalls den klaren Vorzug vor der chemischen Variante gibt: „Beim chemischen Recycling müssen sehr, sehr viel Energie und auch Chemikalien eingesetzt werden, um diesen Abfall aufzuspalten und zu einem neuen Rohstoff zu machen. Und deswegen ist es absolut gerechtfertigt, dass für Kunststoffverpackungen die Recyclingquote sich ausschließlich auf werkstoffliches Recycling bezieht und ein chemisches, rohstoffliches Recycling nicht erlaubt“, erklärte etwa Philipp Sommer, DHU-Fachmann für Kreislaufwirtschaft, gegenüber dem Deutschlandfunk.

Werkstoffliches Recycling in der Praxis

Dass mechanisches Recycling der Königsweg bei der nachhaltigen Wiederverwertung von Altplastik ist, demonstriert unser Gründungsunternehmen Werner & Mertz. Der Mainzer Öko-Pionier nutzt innovative Technologie, um Verpackungen aus Kunststoff energieschonend in einem geschlossenen Wertstoffkreislauf zu führen. Mit dem Haushaltsmüll aus dem Gelben Sack konzentriert sich das Unternehmen dabei auf genau die Sorte Plastikabfall, den andere gerne der Pyrolyse überlassen würden.

Die bisherigen Erfolge geben Werner & Mertz und dem werkstofflichen Recycling recht: So bestehen die PET-Reinigerflaschen der Marke Frosch zu 100 Prozent aus recyceltem Altplastik, wobei 20 Prozent des Materials aus dem Gelben Sack stammen. Selbst die Klappdeckelverschlüsse der Froschreiniger-Flaschen kommen aus dem Gelben Sack: Sie bestehen zu hundert Prozent aus recyceltem PP. Insgesamt hat Werner & Mertz schon mehr als 300 Millionen Plastikflaschen aus recyceltem Altplastik hergestellt.

Seit 2016 stellt das Unternehmen die transluzenten Flaschen der emsal Bodenpflege und der Green Care Professional Reiniger aus recyceltem HDPE-Kunststoff her, der ebenfalls zu 100 Prozent aus dem Gelben Sack gewonnen wird. Seit 2019 revolutionieren die Innovatoren aus Mainz zudem die Verpackungen der Kosmetikbranche: Mit den Pflegeduschen von Frosch kam erstmals eine Kosmetikflasche auf den Markt, die komplett aus wiederverwertetem Haushaltsmüll hergestellt wird.

Was können wir gemeinsam tun?

Den Sortieranlagen helfen:
Beim mechanischen Recycling sortieren Maschinen die Abfälle aus dem Gelben Sack nach Plastikarten. Richtig gut funktioniert das nur, wenn
Verpackungsmüll sortenrein recycelt wird.

Landet etwas anderes als Verpackungsmüll im Gelben Sack, erschwert das die Gruppierung des Müllstroms und damit das gesamte Recycling. Bestehen Verpackungen aus unterschiedlichen Materialien (Joghurtbecher mit Aluminiumdeckel), sollte man sie bereits zuhause voneinander trennen. Nur so kann jedes Material richtig sortiert und optimal recycelt werden.

Recyclingfreundlich einkaufen:
Je mehr Unternehmen recyclingfreundliche Verpackungen entwickeln, desto leichter können Recyclingfirmen große Mengen hochwertiges Recyclingplastik herstellen.

Um den Trend zu verstärken, sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher darüber informieren, welche Hersteller ihre Verpackungen recyclingfreundlich gestalten. Optimalerweise kauft man gleich Verpackungen, die schon aus recyceltem Material bestehen und erneut recycelt werden können. Die bevorzugte Quelle für das Altplastik ist der Gelbe Sack.